Versicherungen, Steuern und Co.: Das kommt auf dich zu

Die Bewerbung war erfolgreich, das Vorstellungsgespräch auch, den Ausbildungsvertrag hast du in der Tasche. Nächster Schritt: Zukunft. Und plötzlich kommen ganz andere Themen auf dich zu. Versicherungen und Co. Was muss ich abschließen? Was muss ich beachten? Und muss ich als Azubi eigentlich eine Steuererklärung machen? Da dröhnt einem ganz schnell der Kopf. Wir fassen dir die wichtigsten Punkte zusammen.

In aller Kürze, hier mal die Checkliste, was jetzt alles auf dich zukommt. Viele der Punkte laufen automatisiert über deinen Lohn und machen den Unterschied zwischen brutto und netto aus. Weiter unten erfährst du Genaueres.

Checkliste 

  • Krankenversicherung
  • Sozialversicherungen 
  • ggf. weitere Versicherungen

So zusammengefasst wirkt es nicht mehr ganz so schlimm, oder?

Brutto, netto, was? Deine Ausbildungsvergütung

Mach dir keinen Kopf, wenn dir die Begriffe noch nichts sagen. In deinem Ausbildungsvertrag mit deinem Betrieb wird ein bestimmter Betrag festgehalten, den du monatlich als Lohn bzw. Ausbildungsvergütung erhältst. Dieser Betrag ist der sogenannte Brutto-Betrag. Allerdings ist das noch nicht der Geldbetrag, der am Ende auf deinem Konto landen wird. 

Was dir aufs Konto ausgezahlt wird, ist dieser Betrag abzüglich der Sozialabgaben und gegebenenfalls Steuern. Das ist der sogenannte Netto-Betrag. 

Krankenversicherung

Eine der wichtigsten Pflichtversicherungen in unserem Sozialsystem: Es kann passieren, dass du krank wirst, einen Unfall erleidest oder zum Arzt oder ins Krankenhaus musst. Das allermeiste davon musst du nicht selbst bezahlen, das übernimmt deine Krankenversicherung. Außerdem bekommst du, während du zum Beispiel mit einer Erkältung zu Hause bleiben musst, einen gewissen Zeitraum hindurch weiterhin deine Ausbildungsvergütung ausbezahlt.

  • Du musst in einer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert sein. Mit Beginn deiner Ausbildung darfst du nicht mehr wie bisher bei deinen Eltern familienversichert sein.
  • Deine Krankenkasse darfst du dir selbst aussuchen. Dafür hast du ab Beginn deiner Ausbildung 14 Tage Zeit. Verpasst du diese Frist, muss dich dein Betrieb bei der Kasse weiterversichern, bei der du bisher versichert warst.

Und wenn du mal länger krank bist? 

6 Wochen lang zahlt dein Ausbildungsbetrieb deine Ausbildungsvergütung weiter (das nennt sich Lohnfortzahlung), danach bekommst du von deiner Krankenkasse das sogenannte Krankengeld (weniger als die Ausbildungsvergütung).

Sozialversicherungspflicht

Auch als Azubi musst auch du Sozialabgaben abführen, sobald du mehr als 325 Euro monatlich verdienst: Das sind die Renten-, Pflege-, Kranken-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung. Einen Teil davon übernimmt dein Betrieb, den anderen Teil zahlst du selbst. Doch keine Sorge, du musst dich (außer bei der Krankenversicherung) nicht überall selbst anmelden. Das passiert automatisch. Die Beiträge werden, wie oben schon erklärt, von deinem Brutto-Lohn abgezogen. Das sind meistens um die 40 % deiner Brutto-Ausbildungsvergütung. 

Suche online gerne mal nach sogenannten Brutto-Netto-Gehaltsrechnern. Dort kannst du verschiedene Daten eingeben, die auf dich zutreffen, und dir so anzeigen lassen, welcher Netto-Betrag von deiner Ausbildungsvergütung voraussichtlich übrigbleiben wird.

Rentenversicherung

Von der Rentenversicherung bekommst du außerdem deinen Sozialversicherungsausweis mit deiner Rentenversicherungsnummer zugeschickt. Bewahre diesen unbedingt gut auf, sodass du ihn jederzeit wiederfinden kannst. Wechselst du den Betrieb oder fängst eine neue Ausbildung an, musst du diesen vor Antritt deinem neuen Arbeitgeber vorlegen.

Und was ist jetzt eigentlich mit der Steuererklärung?

Mit der Steuererklärung gibst du beim Staat an, wie viele Steuern du im letzten Jahr gezahlt hast. Je nachdem, ob das zu viel oder zu wenig war, bekommst du Steuern erstattet – oder musst welche nachbezahlen. Doch keine Sorge: Letzteres kommt als Azubi quasi nicht vor. Eine Steuererklärung zu machen, ist auch keine Pflicht für dich, solange du neben deiner Ausbildung nichts zusätzlich verdienst. Wann sich eine freiwillige Steuererklärung für dich lohnt, kannst du zum Beispiel bei unserem Kooperationspartner Azubiyo nachlesen.

Noch mehr Versicherungen?

Neben diesen verpflichtenden Sozialversicherungen gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Versicherungen, die du theoretisch abschließen könntest. Bis zu deiner Ausbildung warst du bei allem automatisch über deine Eltern mitversichert – jetzt ist auch das ein Thema, mit dem du dich selbst auseinandersetzen musst. Das kann vor allem am Anfang ganz schön verwirrend bis überfordernd wirken. Tief durchatmen! Lies dich in aller Ruhe in die Grundlagen ein, informiere dich und lasse dich ggf. beraten. Du musst auf keinen Fall jede Versicherung abschließen, die es gibt! Wenn du zum Beispiel kein Auto hast, brauchst du natürlich keine Kfz-Versicherung.

 

Folgende Versicherungen gibt es unter anderem noch:

  • Berufsunfähigkeitsversicherung
  • Hausratversicherung
  • Kfz-Versicherung
  • Zusatzversicherungen zur Krankenversicherung 
  • Haftpflichtversicherung
  • Private Unfallversicherung
  • Rechtsschutzversicherung

Und die Finanzen?

In der Ausbildung verdienen viele junge Menschen zum ersten Mal ihr eigenes Geld. Das ist aufregend und ein großer Meilenstein im Leben. Doch irgendwann stellt man fest: Das Leben kann ganz schön teuer sein.

Unterhalt von deinen Eltern

Deine Eltern sind verpflichtet, dich während deiner Ausbildung finanziell zu unterstützen – nur weil du jetzt eine Ausbildung machst, musst du nicht alle Kosten selbst stemmen. 

Kindergeld

Deine Eltern bekommen noch weiterhin Kindergeld für dich, solange du in Ausbildung und unter 25 Jahre alt bist. Wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst, hast du einen gesetzlichen Anspruch darauf, dass sie dir das Kindergeld auszahlen. Falls sie das nicht möchten, kannst du bei der zuständigen Kindergeldstelle einen Antrag stellen, dass dir das Kindergeld direkt auf dein Konto überwiesen wird.

Bevor du diesen Schritt gehst, ist es vielleicht ratsam, das Gespräch zu suchen. Vielleicht lassen sich viele Dinge dann klären.

Du bist nicht allein

Generell gilt für all diese Themen: Du machst das zum ersten Mal, da kannst und musst du nicht von Anfang an alles wissen. Vermutlich schwirrt dir vor lauter Paragrafen und Papierkram erst mal der Kopf (für einen kühlen Kopf haben wir dir hier bereits fünf Tipps zusammengetragen). Suche dir Unterstützung von Menschen, die in diesen Themen schon erfahrener sind – wende dich an deine Eltern, an ältere Geschwister oder Verwandte, frage im Betrieb deine Ausbilderin oder deinen Ausbilder oder rufe auch mal bei deiner Handwerksorganisation an. Diese stehen dir in vielen gerade organisatorischen Fragen mit Rat und Tat zur Seite.

 

Du hast die Bewerbung noch vor dir? Dann haben wir hier 5 Do's und 5 Dont's zum Bewerbungsschreiben!