Qualitätsstufen beim Spachteln

Während deiner Ausbildung im Maler- oder Stuckateurhandwerk triffst du auf viele Fachbegriffe. Einige erklären sich von selbst, andere sind reines Fachchinesisch. Letztere erklären wir dir in unserem Fachbegriff-Lexikon. Heute an der Reihe: Q1 bis Q4 – die Qualitätsstufen beim Spachteln.

„Die Wand verspachteln wir nach Q2.” Diesen Satz wirst du auf der Baustelle früher oder später sicher mal hören. Damit du in dieser Situation weißt, was zu tun ist, verraten wir dir, welche Qualitätsstufen es gibt, worin sie sich unterscheiden und wofür sie geeignet sind. 

Nach den klassischen Trockenbauarbeiten, wie zum Beispiel dem Aufstellen der Gipskartonplatten, ist der Trockenbau noch nicht beendet. Bevor Fliesen, Farbe oder Tapete auf den Gipskarton kommen, muss die Oberfläche vorbereitet werden.
Und da ist Spachteln angesagt! Der Umfang einer Spachtelung ist abhängig von den Erwartungen an das fertige Oberflächenfinish: Je nachdem, wie die Wand am Ende aussehen soll, muss die Verspachtelung ein gewisses Qualitätsniveau erreichen.
 

Q1 – Die Grundverspachtelung 

Eine Verspachtelung, die der ersten Qualitätsstufe entspricht, steht bei sämtlichen Trockenbauarbeiten an.  Sie beinhaltet das grundlegende Verspachteln von Fugen und Befestigungslöchern und das Abschlagen von überstehendem Spachtelmaterial.
Diese Art der Verspachtelung  entspricht in den meisten Fällen nur einer Vorstufe,  Bearbeitungsspuren bleiben sichtbar. Soll die verspachtelte Wand jedoch mit Fliesen oder Platten beklebt werden, ist diese Qualitätsstufe auch als abschließende Verspachtelung ausreichend.

Q2 – Die Standardverspachtelung 

Andere Deckmaterialien bedürfen einer höheren Qualitätsstufe. Die Oberflächengüte Q2 beschreibt eine einheitliche, stufenlose Oberfläche ohne sichtbare Bearbeitungsabdrücke oder Grate. Hierfür werden die Fugen nicht nur grob verspachtelt, sondern bündig verschlossen.

Wie der Name bereits verrät, gleicht diese Qualitätsstufe einer Standardverspachtelung und eignet sich für durchschnittliche Oberflächenmaterialien wie Raufaser- und Vliestapeten oder verschiedene Dispersionsfarben. Aber auch Wandbeläge aus Keramik, Natur- und Betonwerkstein können auf standardmäßig verspachtelten Wänden angebracht werden. 

Q3 – Die Sonderverspachtelung 

Sind die Anforderungen an die Oberfläche höher, folgen nach der Grund- und Standardverspachtelung weitere Arbeitsschritte. Um die Oberflächengüte Q3 zu erreichen, werden alle Fugen und Stöße erneut breit überspachtelt. Zudem werden die Gipsplatten mit Spachtelmasse scharf abgezogen. Diesen Vorgang nennt man auch Porenverschluss. Um die Ebenheit der Fläche zu erhöhen, werden häufig Unterputzprofile oder Putzleisten eingesetzt. Nach der Sonderverspachtelung ist die Wand geeignet für fein strukturierte Oberflächenmaterialien wie Strukturtapeten, matte Farben oder Feinputz. 

Q4 – Die Vollverspachtelung

Erfüllt eine Oberfläche die Anforderung der Qualitätsstufe 4, ist diese vollflächig deckend überspachtelt oder abgestuckt. Der große Unterschied zu den vorherigen Qualitätsstufen ist, dass hier die gesamte Kartonoberfläche zusätzlich mit einer durchgehenden Spachtelschicht überzogen wird. Es erfolgt ein vollflächiges Überziehen und Glätten der gesamten Oberfläche mit einer Schichtdicke von mehr als 1 mm. Dadurch wird die maximale Ebenheit der Oberfläche erreicht. Möchte man auf einer Wand Metall- oder Vinyltapeten anbringen, ist diese Qualitätsstufe die richtige Wahl. Denn bei diesen Materialien können bereits kleine Unebenheiten in der Oberfläche für unerwünschte Schattenspiele sorgen. Auch Lasuren, Marmorierungen, glänzende Anstriche und andere Kreativtechniken erfordern eine vollverspachtelte Oberfläche.

In deiner Ausbildung im Maler- oder Stuckateurhandwerk lernst du nicht nur die Fachbegriffe in Bezug auf die Qualitätsstufen kennen, sondern auch, wie du die Techniken anwendest. Bei den ersten Versuchen ist es sicherlich eine Herausforderung, genau die richtige Feinheit einer Oberfläche zu erreichen – doch je öfter du es wiederholst, desto sicherer wirst du. Mit diesem Fachwissen kannst du in deinem Beruf genau auf jede Anforderung eines Kundenprojekts eingehen.